Liebe Petra!        

hab soeben auch deine SMS gelesen...

...es war ganz toll und auf alle Fälle die Reise (bzw. den Umweg) wert. Ich kann wirklich nicht verstehen, warum Du nicht eine Möglichkeit findest, in dieser wunderschönen Gegend zu leben - stattdessen treibst dich in der wichtigtuerischen Bundeshauptstadt Wien herum. Wiewohl ich Alfons besucht habe, und Problematik des Alltags in Eurem Tal erkennen kann.  

Was heißt ...das Essen geschmeckt? Sowie in Deinem Elternhaus die Gäste betreut werden - das kann man eigentlich mit dem üblicherweise Angebotenen nicht vergleichen.

Erstens hat jeder das Gefühl freudigst erwartet zu werden und entsprechend "empfangen" zu werden - (eigentlich ist empfangen das falsche Wort,  sondern wie wenn man gute Freunde (auch wenn sie einem fremd sind, z.B. die Freunde seiner Freunde) zu sich nach Hause einlädt und sie willkommen heißt....

Die eine Nacht in deinem Gannerhof, beim Abendessen und hernach beim Frühstück in der Beobachtung der anderen Freunde (Gäste) hat mir diesen Eindruck bestätigt.

Einige andere Betriebe die ich bisher kennengelernt habe, (die man auch in diversen Hauben bzw. Sternebüchern findet) haben - für mich zumindest - sehr oft den Eindruck des künstlich aufgebauschten Imagepflegens vermittelt, vordergründiges und oberflächiges Grinsen, stets krampfhaft bemüht möglichst keine Fehler zu machen und wünschenswerterweise Mitstreiter (Lämminge) für den (meist nicht vorhandenen) Glanz und Gloria zu gewinnen......

- ganz anders bei Euch. Natürlich habe ich das Vorwort in der Speisekarte überflogen, natürlich ist man voreingenommen - natürlich habe das Kräutergartl gesehen, natürlich schmeckt Quellwasser besser wie Leitungswasser, natürlich hat einmal die Weinempfehlung beim Pensionsmenü meinen Geschmack übertroffen, natürlich habe ich die alten s/w Foto's im Haus gesehen, natürlich habe ich die individuellen Beleutungskörper im Zimmer bemerkt, natürlich habe ich Deine Eltern nach dem Abendessen getroffen, wie sie wahrscheinlich gerade das Pensionsmenü der nächsten Tage ausgehandelt haben, natürlich hat das Frühstück nicht zuletzt mit der Erscheinung der "Mamafigur" im Service  nachhaltig sehr gut geschmeckt, natürlich habe ich mich sehr sehr wohl gefühlt.

Irgendwie werde ich das auch im Nightflys forcieren...

ich bin leider kein guter "Schreiber" - eher ein Redner (wie du vielleicht schon bemerkt hast) - wir quatschen ganz einfach einmal darüber.

 CU Gerhard home: www.nightflys.at  

 

"Ganze Woche"  28. Juli 2004

Vor einem Jahr hat im Gannerhof im Villgratental ein Generationswechsel stattgefunden: Josef Mühlmann, 23, löste seine Mutter Monika Mühlmann in der Küche ab.

das Villgratental in Osttirol ist bekannt, dass hier eine vernünftige Form von Tourismus, die auf Umwelt und Menschen Rücksicht nimm, gefunden wurde, der sogenannte "sanfte Tourismus". hier liegt auch der kleine Ort "Innervillgraten" mit dem "Gannerhof". Das Haubenlokal ist seit vielen Jahren eine verlässliche Adresse für kulinarische Höchstleistungen, und das hat sich nicht geändert, seit Josef Mühlmann, Sohn des Hauses, die Küchenleitung übernommen hat. "Es war am 8. Juli 2003, ein großer Tag für mich, da hab ich meiner Mutter die Küche abgeluchst" , strahlt er, und Mutter Monika (mit ihm im Bild links), die davor als Küchenchefin den Ruf des Hauses begründet ha, lächelt dazu. Seit 1879 ist der "Gannerhof", der ursprünglich ein kleiner Bauernhof war, im Besitz der Familie. Alois Mühlmann, Josefs Vater, war erst fünfzehn, als sein Großvater, der  "Ganner Seppl", im Jahr 19971 starb. Von allem Anfang an war es sein Traum, aus dem Haus irgendwann einen Gasthof zu machen, und so fügte es sich gut , dass Monika, seine Frau, die er bei seinenen Lehr- und Wanderjahren in Lech am Arlberg kennen lernte, Kellnerin war.
Gemeinsam zog man 1977 nach Innervillgraten, Tochter Petra, heute 25 , kam zur Welt, und dann Sohn Josef, der mit seinen 23 Jahren ein sehr junger Küchenchef ist.
Monika Mühlmann erzählt: "Wir wollten der Welt ein Loch reisen, und das haben wir dann auch, und das haben wir dann auch mit einem großen Bagger." Die Bank lies sich überzeugen und gab einen Kredit, und das Loch in der Welt wurde der Keller des Gannerhofs". Eröffnet wurde 1998, doch das war nur der erste Schritt. Nach und Nach wurde Alois und Monika Mühlmann kla, dass die einfachen Speisen  und Pommes frites, die tagaus, tagein aus der Küche wanderten, nicht so ganz das waren, was sie sich vorgestellt hatten. Dann gab es noch Ärger mit dem Koch, der nicht mehr zur Arbeit erschien, und plötzlich fand sich Monika Mühlmann selbst in der Küche wieder. Sie sah im Fernsehen eine Köchin, die sie beeindruckte, ihr Mann kaufte das Kochbuch, die Köchin hieß Lisl Wagner- Bacher und beim Reinhard Gerer , und lernte, lernte, lernte.
Mit Hilfe der Mutter und Schwiegermutter schaffte das junge Ehepaar den Weg zum Haubenlokal Alois Mühlmann führt bis heute die hauseigene Landwirtschaft, die viele der Produkte, wie Speck und Würstel, liefert ; Brot wird im Haus selbst gebacken. Lammfleisch und Lammschinken stammen von der "Villgrater Natur" die Bauernbutter kommt von der "Kofelerbäuerin und der Käse von der "Noltnerbäuerin"- hier sind die Wege vom Produzenten zum Konsumenten noch kurz! Als sich Sohn Josef nicht entscheiden konnte, ob er lieber Feuerwehrmann oder Rennpilot werden wollte, kaufte ihm Monika Mühlmann kurz entschlossen Kochhose, und Jacke und Mütze und stellte ihn in die Küche. Nach "anfänglichen Schwierigkeiten" funktionierte das, wie die beiden betätigen, dann doch recht gut und nach den üblichen Wanderjahren kehrte Josef Mühlmann nach Hause zurück und ist heute ein würdiger Nachfolger seiner Mutter, die sich nur mehr ganz entspannt um die Gäste kümmert.
Die werden im "Gannerhof" nach Strich und Faden verwöhnt und können auch übernachten, auf Polstern und Matratzen aus Schafwolle; die Übernachtung plus Frühstück und Wahlmenü-Halbpension kostet je nach Jahreszeit und Dauer des Aufenthalts zwischen 63.-€- und 81.-€ pro Person. Das ist bei den Leistungen, die die Küche bietet, mehr als preiswert. Wir versuchten die Geschäumte Zirbenbaum-Limonensupee (3,80.-€), das Lammzungengröschtl in der Brothaube mitPaprikasauce (9.-€), Hausgemachte Schlipfkrapfe (4,5.-€), gebratene Lammleber in Balsamicosauce mit Eierschwammerlnravioli (16.-€),Orangen-After-Eight-Parfait mit Thymiansorbet (6.-€) und die warme und kalte Käsevariation mit Bienenhonig und Rhabarber-Chutny (9,8.-€).

S`Hoamatl

-Kulinarium: Mit Haubenküche und aussergwöhnlichen Naturerlebnissen vor der Haustür besticht ein ehemaliger Bauernhof weit gereiste Feinschmecker genauso wie unternehmenslustige Sportler: Dem Charme des Gannerhofs  in Innervillgraten kann sich kaum jemand entziehen

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Essen & Trinken Nr. 8 2003
Ländlich: Osttirol Bodenständigkeit mit Stil

Osttirol ist ziemlich abgelegen, von Österreich durch hohe Bergketten getrennt.
Doch diese Randlage ist zugleich die große Chance des kleinen Landes: Hier ist die Natur noch weitgehend intakt - und das kommt der Qualität der Küche zugute

Wenn Rübenkrauternte ist, sind sie alle dabei: Monika Mühlmann, die Wirtin mit dem Hang zu schrillen Frisuren: Alois Mühlmann, der Wirt, der den Spagat zwischenschlichten Landleben und gekonnten Internetauftritten beherrscht. Und  Josef Mühlmann, der Sohn der sich in der Wellt der großen Küchen umgetan hat und jetzt wieder daheim ist im abgelegenen, stillen Villgratental. Die Rüben, eine uralte, mittlerweile fast ausgestorbene Sorte, werden geerntet, gewaschen, "zugeputzt" und durch den Fleischwolfgedreht. dann werden sie mit Salz gemischt und in großen Tontöpfen zum Vergären in den Keller gestellt. Das so entstandene Rübenkraut war im kargen Osttiroler Hochtal lebensnotwendiger Wintervorrat. Monika Mühlmann serviert das säuerliche Kraut im Restaurant des Gannerhofes mal ganz konservativ mit Speckknödeln, mal äußerst raffiniert als würzige, aufgeschäumte Suppe. Und demonstriert mit diesen beiden Gerichten die Spannweite der Küche. Der Gannerhof ist das Großelternhaus von Alois Mühlmann, ist ein wunderschöner Bauernhof, ortsüblich aus dunklem Holz gebaut. Die Mühlmanns haben das alte Gebäude in ein Gasthaus verwandelt, ohne ihm die Seele zu nehmen. In den Holzgetäfelten Stuben spürt man noch die gelebt Tradition - dass das Essen auf altem, auf zahllosen Flohmärkten gesammeltem Geschirr serviert wird, verstärkt noch den privaten Eindruck. Aber man sollte sich von der zurückhaltenden Schlichtheit nicht täuschen lassen: die Mühlmanns sind keine dumpfen Traditionalisten. Sie wissen sehr genau, was sie tun, und sie tun es mit großen Engagement. So verwenden sie in der Küche fast ausschließlich lokale Produkte: Neben den erwähnten Rüben kommen Gemüse und Kräuter, Lamm- und Schweinsfleisch großteils vom eigenen Hof, der Rest wird bei den Nachbarn dazu gekauft. Alois Mühlmann macht Speck und Wurst selbst, hält Bienenvölker und Hühner. Monika Mühlmann backt ein traumhaftes Gewürzbrot, kocht Marmeladen und Säfte ein und mischt einen wohlduftigen Gebirgskräutertee. Denn beide wollen das Beste auf den Tisch bringen. Wer das für simple Bauernkost hält, ist bei  Mühlmanns falsch. Die regionalen Zutaten werden zu äußerst feinen Gerichten verarbeitet, zwischen die dann kokett ein paar Rustikalitäten gestreut werden. Man wundere sich also nicht, am Ende der Welt Bärlauchmousse mit Ruccola, geröstetes Lammbries oder Beeren unter einem Zuckernetzserviert zu bekommen. Sohn Josef dabei, die Familientradition fort zu führen. Er flickt neu Zubereitungsarten ein und tastet sich zu einem eigenen Stil vor, der sich in der Form von dem der Elternunterscheiden wird, nicht aber in der Qualität.

 

Auto Touring April 2003

Urig mit Niveau

Alois und Monika Mühlmann bekochen  ihre Gäste mit Produkten aus der eigenen Schaf-, Schweine- und Bienenzucht.
Gault Millau belohnt die Gannerhof-Spezialitäten (z.B. Schlipfkrapfen oder Lammkeulen mit Kraut) mit 1 Haube In den urigen Zimmern schläft man auf Schafwoll-Matratzen.

Hotel und Touristik November 2000

Eine Kräuterhexe als Haubenköchin
Eine außergewöhnliche Kochkarriere im Tal des sanften Tourismus. Dort duftet auch ihr Kräutergarten, den sie eigenhändig hegt und pflegt.

"Mir ist der Koch davon gelaufen" Das ist die einfache Antwort Monika Mühlmanns auf die Frage, wie ihre Kochkarriere begonnen hat. Dem Exodus war eine Debatte über Grillteller vorausgegangen, die die Chefin origineller garniert sehen wollte. Da schmiss der Koch den Löffel.

Doch weil das Haus voll von hungriger Gäste war, stellte sich die Wirtin einfach selbst in die Küche. Und dort ist sie geblieben- dem "Gannerhof" zum Glück.

Denn inzwischen hat sich Monika Mühlmann zwei Gault-Millau-Hauben, drei A-la-carte Kronen und die Trophee Gourmet erkocht. "Obwohl ich Autodiktratin bin", unterstreicht sie diesen kulinarischen Erfolg.

Als die Monika aus Mürzzuschlag ihren Lois aus Innervillgraten heiratete, war der heutige Haubentempel noch ein Bauernhof. Die beiden wandelten ihn 1991 in einen Gasthof um - "mit wunderbaren Schnitzeln, Grilltellern und viel Pommes. Auch nach dem Abgang des Kochs blieb es bei dieser Allerweltspeisekarte. Doch dann sah Monika im Fernsehen einer Zauberköchin zu  - es war Liesl Wagner-Bacher - und war gefesslt. Kurzerhand fuhr sie nach Mautern und fragte Wagner-Bacher, ob sie sie als Kochlehrling nehmen würde. Die große Könnerin und Gönnerin sagte zu und Monika wurde jeden November in die hohe Schule der Kochkunst eingeweiht.

Viel gelernt bei Liesl Wagner-Bacher

Sehr schnell erkannte aber die Gannerhofwirtin, dass sie sich aus der Kochelite nur mit einer eigenen speziellen Note hervorheben konnte. Die kommt von den  Produkten des Innervillgratentals, die sie selbst oder die Bauern der Umgebung herstellt. Monika backt ihr eigenes Brot, rührt Marmeladen, presst Säfte, schleudert Honig. Hinter dem "Gannerhof" mit seiner prachtvollen Holzfassade hält sie ihre glücklichen Hühner, die so zahm sind, dass man sie hochnehmen und streicheln kann. Dort duftet auch ihr Kräutergarten, ihr ganzer Stolz, den sie eigenhändig hegt und pflegt. Sie ist ein Fan der Kräuterkunde der Klosterfrau Hildegard von Bingen. Milch, Käse, Butter stammen von den Bauern, auch Rind , Wild und vor allem das Lamm, das ein innovativer Bauer namens Josef Schett im Tal heimisch gemacht hat. Und Lamm ist auch die Spezialität, deretwegen die Feinschmecker von weit und breit angereist kommen - und gleich nach dem opulenten Mahl in einem der 22 Gästebettenübernachten können. "Wenn die anderen Langusten kochen, koche ich Lamm" ist Monika Mühlmanns Credo. Und zwar auf besondere Weise - nicht den ewigen Lammrücken mit Rosmarin, sondern auch Innerein wie Leber, Nierndln , Bries und Beuschl nach eigenen entwickelten Rezepten. Ihr Lieblingsrezept ist übrigens Lammkeule mit Orangensauce und Zimt. Von außen zugekauft werden lediglich Mineralwasser, Bier und Wein, letztere sind ausschließlich erlesene österreichische Rebsäfte, die die beiden Mühlmanns persönlich auswählen - "wir kennen jeden Winzer unserer Weine".

Neben all ihrer Arbeit hat Monika  noch zwei Kinder groß gezogen, die Tochter Petra macht in Wien ein Kunststudium, Sohn Josef ist Koch und momentan beim Zivildienst. In der Freizeit widmet sich die Haubenköchin schönen Dingen - sie liest viel, malt und schreibt Gedichte. Doch dort wo sie richtig glücklich ist  - das ist ihr Herd.


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